Corinna Kühn in der DigitalPHOTO

 

Heißer Sommer

Diese Bilder machen Sehnsucht, lassen uns träumen. Mit ihren schwarzweißen Aktaufnahmen weckt Corinna Kühn Erinnerungen an heiße Sommerurlaube. Jedes ihrer Bilder spielt mit der Fantasie des Betrachters. Im Portfolio von DigitalPHOTO verrät die Fotografin, dass viele ihrer Bilder mit nur geringem technischen Aufwand entstehen.

 

 

Sommer, Sonne, Strand und Meer – die Bilder von Corinna Kühn machen Lust auf Urlaub. Nicht nur wegen der herrlichen Kulisse, sondern auch wegen der schönen Menschen, die die Fotografin aus Bayern auf den Kanaren und anderen Traumorten so reizvoll in Szene setzt. Wer die opulenten Kalender sieht, in denen die perfekten Bilder veröffentlicht werden, mag nicht glauben, dass Corinna Kühn als Seiteneinsteigerin zur Fotografie gekommen ist.

„Ich habe einfach fotografiert, wie viele, die ihre Kamera mit in den Urlaub nehmen“, erzählt sie. „Ich habe geknipst, was mir vor die Linse gekommen ist.“

 

Dass sie mit ihren Bildern tatsächlich Geld verdienen könnte, wollte ihr lange nicht in den Sinn kommen. „Auch als ich mit der Aktfotografie angefangen habe, sah ich zunächst keinen kommerziellen Hintergrund.“ Das änderte sich, als Freunde und Familie sie mehr oder weniger dazu überredeten, die Bilder endlich einem Verlag zu schicken. „Mein Mann und eine Freundin bauten mir eine Website und sagten: ‚Jetzt gehst du mal raus mit deinen Sachen!‘“

Eine Woche später meldete sich der Korsch Verlag: „Oh, das ist aber toll, was Sie da machen.“ Inzwischen entsteht die fünfte Kalendergeneration in Folge. Vielleicht liegt es an der klaren Ästhetik, der natürlichen Bildsprache, dass die Schwarzweiß-Bilder so gut ankommen.

 

Vielleicht an dem schon auf den ersten Blick erkennbaren Corinna-Kühn-Stil: Ein Schmollmündchen oder frivole Gesten wird man hier nicht finden, die Fotos sind weder sexistisch noch dümmlich-erotisch. Im Gegenteil, die Frauen und Männer blicken selbstbewusst und stolz in die Kamera. Auch deshalb, weil die Fotografin ihnen mit Respekt begegnet. „Gerade Aktfotografen haben eine hohe Verantwortung“, sagt die Fotografin, die vor jedem Shooting einen Vertrag mit dem Model unterzeichnet.

Wenig Retusch

e Viele der schwarzweißen Aktbilder entstehen an den langen Sandstränden auf den Kanaren.

 

So war Corinna Kühn im September für mehrere Tage auf Teneriffa, wo sie mit mehreren Models geshootet hat – und wieder einmal mit einem Stapel guter Bilder nach Hause kam. „Manchmal passt einfach alles perfekt zusammen. Ein bisschen Glück gehört natürlich immer dazu.“ Einige der Bilder, zum Beispiel die Aufnahme auf der Seite rechts, werden hier erstmals veröffentlicht.

 

Sämtliche Bilder von Corinna Kühn sind nur ganz gering nachbearbeitet, denn auf Retusche am Rechner verzichtet die Fotografin weitestgehend. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, etwa wenn kleine Narben oder Hautmakel den Bildeindruck zu stark stören. „Ich würde aber nie ein Model ablehnen, weil es Narben, oder Pickel oder viele Leberflecke hat. Das kann man mit Photoshop ja durchaus ein bisschen relativieren.“ Viele andere nachträgliche Eingriffe, die in der kommerziellen Fotografie durchaus üblich sind, lehnt Corinna Kühn hingegen kategorisch ab. „Ich vergrößere keine Brüste, hebe keine Wangenknochen, verdichte keine Haare.“ In Grenzen hält sich auch der technische und personelle Aufwand, mit dem Corinna Kühn ihre Aufnahmen produziert.

 

„Wenn jemand noch nie gesehen hat, wie ein Fotograf arbeitet, und würde mir beim Arbeiten zusehen, der würde wohl kaum glauben, dass die Bilder zum Teil auf soeinfache Weise entstehen.“ Oft ist die Fotografin, die Make-up und Styling meist selbst macht, mit ihrem Mann unterwegs, hin und wieder auch alleine mit den Models. Da sie seit Jahren immer wieder mit den gleichen Models zusammenarbeitet, sind die Models längst selbst aktiv am Shooting beteiligt. Freundschaften sind entstanden. Wenn – wie auf Teneriffa – mehrere Models mit von der Partie sind, entstehen viele Bildideen gemeinsam. Die Stimmung ist locker, es wird viel gelacht.

 

„Ich habe nie einen konkreten Plan, an den ich mich unbedingt halten will“, sagt Corinna Kühn. Das Equipment, das sie zum Shooting mit

nimmt, beschränkt sich daher auf das Wesentliche. Zwar sind eine Nikon D3 und eine D700 samt hochwertiger Nikkor-Objektive und ein mannshoher, ovaler Chamäleon Falt-Reflektor immer mit dabei, doch wenn es um das Spiel mit dem Licht geht, versucht die Fotografin das zu nutzen, was ihr draußen zur Verfügung steht. „Da es sich bei Aktbildern nicht um Fashion-Fotografie handelt, die bis ins Detail ausgeleuchtet werden muss, setze ich on location eigentlich nie Generatoren und zusätzlichen Lampen ein.“

 

Natürliches Licht

Für Corinna Kühn ist das natürliche Licht in vielen Aufnahmesituationen ohnehin das schönste Licht – ganz besonders am Meer, wo das Wasser das Sonnenlicht reflektiert. „Man hat draußen so viele Möglichkeiten, dass man nicht unbedingt mit Technik an die Sache herangehen muss“, schwärmt die Fotografin. Der bedeckte Himmel lässt sich wie eine große Softbox nutzen, Wände und Türen dienen als Reflektoren oder als große Lichtklappen. Auch ein weißes Bettlaken leistet der Fotografin hin und wieder gute Dienste, als großflächiger Reflektor auf dem Boden ausgebreitet, lassen sich mit ihm Schatten sanft aufhellen.

 

Auch zur Gestaltung des Hintergrunds nimmt Corinna Kühn häufig dunkle oder farbige Stoffbahnen, die ihm Bild jedoch nicht als solche zu erkennen sind. Überhaupt ist vieles auf den Bildern nicht so, wie es erscheint. Statt am Strand hat Corinna Kühn manche Aufnahmen im Kieswerk, in Hotelzimmern oder auf der eigenen Terrasse aufgenommen. Und die erfrischende Dusche stammt oftmals nicht von einem tropischen Wasserfall, sondern aus einem dicken Feuerwehrschlauch. Im kommenden Jahr werden die Bilder von Corinna Kühn wieder so manches Büro und so manche Wohnung schmücken. So hat sie neben den im Korsch-Verlag erschienenen Kalendern („Women“ und „Men“) unter anderem den exklusiven Männerkalender der Würth-Gruppe gestaltet. Vier Bilder finden sich im Men-Kalender des Drogerieriesen Schlecker, weitere in anderen Geschäftskalendern. Außer ihren Aktbildern veröffentlicht sie zunehmend auch ihre Schwarzweiß-Städtebilder, zum Beispiel in World Cities 2011 (Mohn media).

 

Die Veröffentlichungen sind Motivation genug, ihren Weg weiter zu gehen. „Aber irgendwie“, sagt die frühere Hobbyfotografin lachend, „irgendwie will ich es noch immer nicht recht glauben, dass ich mit meinen Bildern derart erfolgreich bin.“

 

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